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Ratgeber November

Das Gesetz der Gegenseitigkeit  - 5

aus: Hazrat Inayat Khan:

'Art of Personality'

(siehe auch Thema)

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Unterscheidung von Graden

Es gibt zwei Neigungen, die in unterschiedlichen Individuen sichtbar werden: das Anerkennen von Graden und das Nichtanerkennen von Graden.

Das erste zeigt sich, wenn jemand sagt: ‘Er ist mein Chef; er ist mein Professor; sie ist meine Mutter; er ist der Onkel mütterlicherseits meines Vaters; deshalb muss ich auf ihn oder sie Rücksicht nehmen’.

Und die andere Haltung sehen wir, wenn jemand sagt: ‘Was kümmert es mich, ob er Chef ist in meinem Büro? Es ist mir egal, ob er älter ist; es ist mir egal, ob sie meine Tante ist; was kümmert es mich, ob er der Großvater meiner Mutter ist?'

Wir sehen im einen Sanftmut und im anderen Geist und bevorzugen sie entsprechend unserer Natur. Wenn wir temperamentvoll sind, mögen wir den Geist der Unabhängigkeit, und wenn wir sanft sind, bevorzugen wir die Sanftheit.

Ein Sufi glaubt nicht an einseitige Neigungen. Er sagt, wir brauchen Geist und Sanftmut; beides ist bei geeigneten Gelegenheiten gefragt. Es stellt sich die Frage, wie wir uns verhalten sollen: wann wir Geist zeigen und wann wir Sanftmut in Betracht ziehen sollen.

Geist sollte sichtbar werden, wenn wir durch die Umstände, durch eine Situation, gezwungen sind, uns unterzuordnen; dort wird Geist gebraucht, um uns zu befreien und unabhängig zu sein. Doch der Einsatz von Geist ist keine einfache Sache. Die Flamme eines Streichholzes kann sich nicht gegen die Luft erheben; um sich gegen die Luft zu erheben, brauchen wir eine Fackel. Deshalb sind es die törichten Geister, die sich gegen die Bedingungen ihres Lebens auflehnen und fallen, weil es ihrem Geist an Kraft und Willen fehlt. Für sie sind Geduld und stetige Beharrlichkeit, gepaart mit Mut und Achtsamkeit, notwendig.

Doch wenn wir durch die Liebe und Güte von jemandem in unserem Verständnis besänftigt werden, etwa durch die Fürsorge einer Mutter, den Schutz eines Vaters, den Rat eines alten Freundes, dem Mitgefühl eines Nachbarn, von jemandem, der uns den richtigen Weg durch das Leben zeigt, von jemandem, der die Menschheit vielleicht zum Licht geführt hat, kann es niemals Unterordnung sein, sondern nur Großherzigkeit unsererseits, ihre Größe anzuerkennen, sie zu verehren, sie zu respektieren und ihnen zu gehorchen. Allerdings darf nicht alles mit denselben Worten und auf dieselbe Weise behandelt werden.

Der Qur'an sagt, ‘Wir haben unter Dschinns und Menschen Individuen aller Grade geschaffen.’

Auf diesem Pfad müssen wir unterscheiden, wie weit wir gegenüber verdienten Seelen Sanftmut zeigen sollen.


Gesegnet sind die selbstlosen Freunde

und jene, deren Lebensmotto Beständigkeit ist.

 

Gayan - Suras


(Maheboob Khan, Hazrat Inayat Khans Bruder, hat in der Mitte des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Hazrat Inayat Khans Aphorismen in Musik gesetzt, wie das ‘How Shall I Thank Thee’. Mohammed Ali Khan, Hazrat Inayat Khans Cousin, hat ums Jahr 1956 herum dieses Lied in einem Konzert in Zürich gesungen – hier könnt Ihr es hören)


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