Peace

Thema August

Die Erfahrung unseres Lebens - 3

aus: Hazrat Inayat Khan:

'The Alchemy of Happiness'

(siehe auch Forum)

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Daher muss dieses Nirvana nicht durch Studium erlernt werden; es ist in uns angelegt. Es ist jener Stern in uns, dessen Glanz alle Unreinheiten des Lebens verzehrt und sie in Reinheit verwandelt, das göttliche Licht.

Wenn es kein Leid gäbe, könnten wir keine Freude erleben. Es ist das Leid, das uns hilft, Freude zu erleben. Alles unterscheidet sich durch sein Gegenteil und wer Leid tief empfindet, ist eher in der Lage, auch Freude zu empfinden. Gäbe es kein Leid, wäre das Leben höchst uninteressant. Denn erst Leid bringt Durchdringung, und das Gefühl nach dem Leid ist eine tiefere Freude.

Ohne Schmerz hätten die großen Musiker, Sportler, Entdecker und Denker nicht die Stufe erreicht, auf der sie in der Welt angekommen sind. Wenn sie immer nur Freude erlebt hätten, wären sie nicht in die Tiefen des Lebens vorgedrungen.

Denn was ist Leid? Leid im wahrsten Sinne des Wortes ist tiefste Freude. Wenn wir phantasievoll sind, können wir eine Tragödie mehr genießen als Komödie: Komödie ist für Kinder, die Tragödie für Erwachsene. Allein durch das Leid wird jemand zu dem, was wir eine alte Seele nennen, jemand, der zwar jung sein kann, doch dessen Gedanken tief sind.

Wenn Kummer und Trauer keine Realität haben, warum hat Christus dann gesagt: ‘Meine Seele ist tief betrübt’? Wir müssen zwischen der menschlichen Seite des Lebens des Meisters und der göttlichen Seite unterscheiden. Wenn die menschliche Seite nicht menschlich wäre, was wäre dann menschlich? Warum sendet Gott seine Botschaft an die Menschheit durch einen Menschen und nicht durch Engel? Weil nur ein Mensch die Menschen kennt. Er kennt sie, weil er die menschlichen Beschränkungen erfahren hat.

Dass er Trauer empfand, ist die schönste Seite im Lebens des Meisters. Wie hätte er sonst mit denen mitfühlen können, die traurig sind? Wenn wir alle vollkommen geboren würden, gäbe es keinen Sinn im menschlichen Leben. Der Sinn des Lebens besteht darin, dass wir zur Vollkommenheit heranwachsen; von der größten Einschränkung wachsen wir zur Vollkommenheit hin. Die Schönheit des Lebens liegt darin, dass wir Weisheit erlangen, dass wir um den Preis all unserer Misserfolge, unserer Fehler leben. All dies ist es wert, und all das erfüllt den Zweck unseres Kommens auf die Erde.

Ist es vielleicht, so könnte wir uns fragen, Gottes Art und Weise, uns gegen Kummer immun zu machen, wenn er uns Schwierigkeiten und Probleme schickt? Alles ist der Pfad Gottes: wenn er Schwierigkeiten und Kummer schickt, und wenn er Freude und Vergnügen schickt. Wenn wir in allem die Hand Gottes sehen könnten, wären wir für beides dankbar.

Manche Menschen sind sehr beeindruckt von der Lehre des Karma, und in gewisser Weise ist es eine Tugend, alles geduldig hinzunehmen und es Karma zu nennen; doch dies reicht nicht aus. Wir sollten erkennen, dass Glück unser Geburtsrecht ist. Gott freut sich nicht über unseren Kummer, Gott ist nicht erfreut über unser Leid. Deshalb müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um Krankheiten und andere Schwierigkeiten zu überwinden, anstatt geduldig wie unter einem Felsbrocken zu warten, 'weil es unser Karma ist'.

Andererseits ist es gut, die Ursache für unsere Sorgen in unseren eigenen Gedanken und Handlungen zu suchen. Manchmal sind es nicht nur die Umstände des Lebens, die uns Kummer bereiten, sondern wir erlauben ihnen, uns Kummer zu bereiten. Ein Teil des Kummers kommt vom Leben, und einen Teil machen wir selbst. Auch ein Teil der Freude kommt vom Leben, und einen Teil machen wir selbst. Wenn wir dem Leben helfen, uns ein wenig Freude zu schenken, wird es das tun; wenn wir es nicht zulassen, wird das Leben hilflos.

Von hundert Dingen im Alltag, die wir zu ernst nehmen, sollten wir vielleicht nur eines ernst nehmen und erkennen, dass die anderen neunundneunzig wenig zählen.

Bis zu einem gewissen Grad muss es Anhaftung und Illusion geben, doch so wenig wie möglich. Denn wenn es keine Illusion und Anhaftung gäbe, wäre es so, als wäre es immer Tag und nie Nacht. Auch in Illusion und Anhaftung steckt eine Triebkraft, und durch diese Triebkraft erreichen wir unser Lebensziel. Und wenn es keine Illusion und Anhaftung gäbe, wäre die Seele nicht in der Lage, unseren Körper zu halten, nicht einmal in geringstem Maße, sie kann dies nur mit Anhaftung tun. Viele Menschen, die sehr krank sind, manchmal über Jahre hinweg, bleiben weiterhin krank, ohne zu sterben; der Grund dafür ist die Anhaftung der Seele an den Körper.

Doch, so könnten wir fragen, da die Welt, die wir sehen, keine Realität hat, da sie eine Illusion ist, warum sehen wir dann diese Illusion; was ist die Ursache für diese Illusion, die uns quält? Wir verwenden das Wort 'Illusion' konventionell, doch wir erkennen seine wahre Bedeutung erst, wenn wir die Realität des Lebens verstehen, wenn wir das innerste oder ewige Leben erkennen. Wenn wir dies verstehen, erscheint uns alles als Illusion. Illusion ist etwas, das zu existieren scheint, doch keine wirkliche Form hat. Die Natur aller Dinge, die zu existieren scheinen und nicht von Dauer sind, ist so: Ihre Existenz ist vergänglich, und die Wirkung, die sie auf unsere Seele ausüben, ist bis zu einem gewissen Grad ein Rausch. Wir sind von allem, was wir sehen, so hypnotisiert, dass wir vorübergehend vergessen, dass es nicht von Dauer ist.

Daher besteht der Weg eines Menschen des Inneren Lebens darin, seine Augen und auch sein Herz vor dem zu verschließen, was nicht von Dauer ist, um eine Chance zu haben, herauszufinden, dass es ein Leben gibt, das nicht vergänglich ist. Er praktiziert jede Art von Meditation und Konzentration, um seinen Geist von diesem Rausch zu befreien, der ihn ständig überkommt. Die Menschen geben sich alle Mühe, diesen Rausch zu erreichen, und am Ende bleibt nur Enttäuschung.

Wir können nicht behaupten, dass es keine Freude und keinen Schmerz gibt. Wenn wir das sagen, widerlegen wir unser eigenes Argument. Wir können sagen, dass es nichts als Illusion gibt, doch diese Vorstellung in Worte zu fassen, macht sie für jene, die sie nicht auf die gleiche Weise betrachten, schwach. Es ist die Erkenntnis, die wir brauchen, nicht die Behauptung. Wahre Tugend wird durch das Studium der Wirklichkeit erlernt; dann kommt sie von selbst. Wenn ein Mensch sich der Realität bewusst wird, leuchtet das Licht der Wirklichkeit vor ihm auf, die Lampe von Aladin, das leitende Licht.

Es gibt zwei Formen, das, was unser Selbst ausmacht, anzurufen, anzuziehen.

Die eine Form ist, das zu rufen, was außerhalb unseres Lebens liegt, um unser Leben zu vervollständigen, sei es Reichtum, Macht, Position oder etwas anderes.

Doch es gibt noch eine andere Art des Rufens, nämlich jene, unser eigenes Selbst zu rufen. Wenn wir unser wahres Selbst anrufen, harmonisieren wir natürlich unseren Geist, und er kann so harmonisiert werden, dass wir sowohl mit Freund als auch mit Feind Harmonie empfinden.

Sobald wir mit unserem Selbst in Zwiesprache leben, sobald wir unser Selbst, unser wahres Selbst, angerufen haben, werden wir auf natürliche Weise mit Leid und Freude in Einklang gebracht, und wir werden bei Erfolg und Misserfolg gleichermassen zufrieden sein. Denn aus den verschiedenen Erfahrungen unseres äußeren Lebens erwächst in der Tiefe unseres Herzens eine Harmonie, ein Frieden und eine Kraft, die uns in der Mitte halten. Auch wenn wir im Regen nicht nass werden wollen, können wir den Regen nicht aufhalten; alles, was wir tun können, ist, einen Regenschirm zu haben, der wasserdicht ist. Ob wir uns materiell entwickeln oder in unserem Inneren Liebe wachsen lassen; wir können die natürlichen Folgen des Lebens nicht aufhalten. Wenn wir uns inmitten der Welt befinden, sind wir allen angenehmen und unangenehmen Erfahrungen ausgesetzt, die das Leben uns beschert.

Wenn es einen Weg gibt, uns das Leben leicht zu machen, dann nur, wenn wir in uns selbst Harmonie schaffen, damit wir mit all den unterschiedlichen Umständen und Erfahrungen des Lebens harmonieren können. Wenn wir uns beschweren, nehmen unsere Beschwerden kein Ende. Wenn wir keine Beschwerden haben wollen, sollen wir uns nicht beschweren. Doch sollten wir uns der Tatsache bewusst sein, dass wir alles, was wir erleben, rufen, wir es anziehen, und dass alles, was wir erleben werden, auch von uns gerufen worden ist. Daher sollten wir bei jedem Schritt in unserem Leben weise sein, um unter all den Dingen, die wir uns wünschen, zu unterscheiden, was wir zu uns rufen sollten und was wir nicht rufen sollten.

Die Vergangenheit ist vorbei, es hat es keinen Sinn, ihr nachzutrauern. Es ist genauso gut, die Vergangenheit zu vergessen, abgesehen von schönen Eindrücken und guten Erinnerungen. Es ist die Gegenwart, für die wir verantwortlich sind, denn die Gegenwart wird unsere Zukunft sein. Das Wichtigste ist also, in uns eine solche Harmonie zu schaffen, dass unser Zukunft harmonisch sein wird - indem wir unsere Gedanken in uns selbst zentrieren, indem wir unser wahres Selbst finden.

Im Orient gibt es ein Gebet: ‘Wir danken Dir, Gott, für alles, was wir erlebt haben. Unsere einzige Bitte ist; dass unser Ende das beste Erlebnis von allen sein wird.’


Wenn es keinen Schmerz gäbe, wäre das Leben höchst uninteressant,

denn es ist der Schmerz, der das Herz durchdringt.

 

Aphorismen


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