Mitgefuehl

Forum November

Das Gesetz der Gegenseitigkeit  - 4

aus: Hazrat Inayat Khan:

'Art of Personality'

(siehe auch Ratgeber)

Alle Themen als Audio-Sammlung hier



Wie wir Handlungen unserer Freunde aufnehmen

Für einen achtsamen Menschen ist es immer verwirrend, sich für den richtigen Pfad des Handelns zu entscheiden, wenn er mit Menschen unterschiedlicher Temperamente und Entwicklungsstufen in Berührung kommt; und für einen rechtschaffenen Menschen ist es rätselhaft, wenn er in einer Freundschaft übles Verhalten von Freunden hinnehmen muss.

Das Wichtigste, was wir in Bezug auf Freundschaft verstehen müssen, ist, dass wir langsam sein sollen, wenn wir Freundschaften schließen, und noch langsamer, wenn wir sie beenden. Kinder freunden sich an einem Tag tausendmal an; und tausendmal streiten sie sich wegen Kleinigkeiten und werden unfreundlich. Wenn erwachsene Menschen das Gleiche tun, zeigt das dem Achtsamen sofort den Grad ihrer Entwicklung an.

Die Achtsamkeit im Umgang anderer mit uns sollten wir nicht gegen unseren Umgang mit ihnen abwägen und vergleichen; denn unser eigenes Ich ist jedem von uns immer lieber; und wenn wir unseren Umgang mit anderen abwägen, geben wir ihm natürlich mehr Gewicht und werten den Umgang der anderen mit uns nicht gleich. Um ein Gleichgewicht herzustellen, müssen wir daher immer bedenken, dass eine freundliche Handlung, ein guter Gedanke, eine kleine Hilfe, ein gewisser Respekt, den uns andere entgegenbringen, mehr wert sind, als wenn wir unserem Freund dasselbe antun würden; doch eine Beleidigung, ein Schaden, der uns zugefügt wird, eine Enttäuschung, die uns ein Freund zufügt, ein gebrochenes Versprechen, Betrug oder alles, was uns an einem Freund nicht gefällt, sollten wir als weniger tadelnswert ansehen, als wenn wir selber das gleiche tun würden.

Jede gute und freundliche Tat eines Freundes sollten wir sehr zu schätzen wissen; was wir unsererseits einem Freund antun, sollten wir für ungenügend betrachten. Wir sollten einen Freund weniger tadeln, wenn sein Handeln tadelnswert ist; doch wenn wir selbst dasselbe tun, sollten wir uns umso mehr tadeln.

Diese Haltung bringt Gleichgewicht; dies ist wahre Gegenseitigkeit. Ein Mensch, der jeden Tag neue Freundschaften schließt und sie jeden zweiten Tag wieder aufkündigt, bleibt sein Leben lang ohne Freunde; doch wer einem Freund gegenüber wohltätig ist und streng mit sich selbst umgeht, wird sich als wahrer und guter Freund erweisen, der es wert ist, Teil des Lebens anderer zu sein.


Wenn das menschliche Herz sich Gottes bewusst wird,

 wird es wie das Meer;

es breitet seine Wellen zu Freund und Feind aus.

 

Gayan - Boulas


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