Mitgefuehl

Forum Oktober

Vier Pfade, die Menschen wählen - 1

.aus: Hazrat Inayat Khan -

Alchemy of Happiness

(siehe auch Ratgeber)

Alle Themen als Audio-Sammlung hier



Es gibt vier verschiedene Pfade, die Menschen in ihrem Leben einschlagen:

1. Reichtum schaffen:

Ein Pfad ist jener des materiellen Nutzens. In seinem Beruf, seiner Tätigkeit, seinem Geschäft oder seiner Industrie will der Mensch Geld verdienen. Wir können Argumente finden für und gegen dieses Ideal. Dagegen spricht, dass wir beim Geldmache sehr leicht die richtige Spur, das klare Denken und die Rücksicht verlieren. Wir übersehen leicht die Rechte der anderen, wenn wir für Geld arbeiten.

Doch was dafür spricht, ist dies: dass es schließlich jene sind, die Reichtum besitzen, die ihn für den besten Zweck einsetzen können. Alle wohltätigen Einrichtungen, Krankenhäuser, Schulen, Hochschulen, werden von wohltätigen Menschen getragen, die großzügig für solche Organisationen gespendet haben. Es ist also nichts grundsätzlich Falsches daran, Geld zu verdienen und unsere Zeit dafür zu verwenden, solange das Motiv richtig und gut ist.

2. Pflicht:

Ein anderer Aspekt ist die Pflicht. Wir sind der Auffassung, dass wir eine Pflicht gegenüber unserer Gemeinschaft, unserer Stadt oder unserem Land haben; wir leisten soziale Arbeit, wir versuchen, anderen Gutes zu tun, und betrachten dies als unsere Pflicht. Es kann sein, dass wir eine Pflicht gegenüber unseren Eltern haben; wir kümmern uns vielleicht um unsere Mutter und opfern unser Leben für sie, oder für unsere Frau und unsere Kinder. Auch darin liegt ein großes Verdienst.

Dagegen spricht zweifellos, dass ein solches Leben sehr oft verkümmert und ein solcher Mensch keine Chance hat, in der Welt etwas Sinnvolles zu tun; doch wenn es die Pflichtbewussten nicht gäbe, wäre die Welt ohne Liebe und Zuneigung. Wenn eine Frau kein Pflichtgefühl gegenüber ihrem Mann hat, oder der Nachbar gegenüber seinem Freund, dann leben sie wie Geschöpfe der niederen Schöpfung. Es ist das Pflichtbewusstsein, das einen Menschen größer macht als andere Wesen; deshalb bewundern wir es. Helden, die ihr Leben für ihr Land geben, tun nichts Kleies. Es ist etwas Großes, wenn ein Mensch sein Leben aus Treue zur Pflicht hingibt. Pflichtbewusstsein ist eine große Tugend.

Während des ersten Weltkrieges war da eine junge Frau, sie war immer unzufrieden und uneinig mit ihrem Mann und dachte immer wieder an Trennung. Als der Ruf zu den Waffen ertönte, zog ihr Mann in den Krieg, und er hoffte, dass sie in seiner Abwesenheit einen anderen finden würde. Doch als der Krieg sich in die Länge zog, überdachte sie ihre Ziele und entschied, dass sie sich, solange ihr Mann kämpfte, als Krankenschwester einschreiben würde.

Und so geschah es, dass ihr Mann in der Nähe des Ortes, an dem sie arbeitete, verwundet wurde; er verlor sein Augenlicht, und sie wurde seine Krankenschwester. Als sie ihn in diesem Zustand sah, war sie erstaunt, dass es so gekommen war, dass ausgerechnet sie für seine Pflege zuständig war. Sie hatte gerade einen Brief eines anderen Mannes erhalten, dieser machte ihr einen Heiratsantrag - doch sie zerriss ihn und änderte ihre Meinung in einem einzigen Augenblick - sie sagte: ‘Jetzt, wo er sein Augenlicht verloren hat und hilflos ist, werde ich seine Frau bleiben, ich werde mich mein ganzes Leben lang um ihn kümmern’.

Die Pflicht, das Pflichtgefühl, ist eine große Tugend; und wenn sie im Herzen eines Menschen vervollkommnet und vertieft wird, weckt sie ihn zu einem größeren und höheren Bewusstsein. Auf diese Weise haben viele Menschen edle Dinge vollbracht. Die großen Helden haben ein Leben der Pflicht gelebt. Das Pflichtgefühl wächst aus dem Idealismus. Je größer sein Ideal von Pflicht, desto größer der Mensch. Die Sichtweise der Hindus betrachtet jene, die ihre Pflicht achten, als religiös – denn das Sanskrit-Wort Dharma bedeutet sowohl Pflicht als auch Religion.


In dem Augenblick, an dem ein Mensch geradlinig wird,

öffnet sich ein gerader Weg vor ihm.

 

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