Mitgefuehl

Petama Forum September

'Unser Wunsch zu Wissen- 1'

aus Hazrat Inayat Khan:

'The Purpose of Life'

(siehe auch Ratgeber)

Alle Themen als Audio-Sammlung hier



Der Wunsch zu Wissen lässt sich in allen Lebewesen erkennen, in der niederen Schöpfung wie auch im Menschen. Wenn wir die Bewegungen der Vögel und Tiere im Wald beobachten, stellen wir fest, dass sie nicht nur nach Nahrung suchen, mit ihren Artgenossen spielen und sich vor Feinden schützen, sondern auch an jeder Wahrnehmung interessiert sind, die über ihre fünf Sinne zu ihnen gelangt.

Geräusche, Farben, Berührungen, Gerüche – jede Sinneswahrnehmung wirkt auf sie. Wir können bei den Tieren das natürliche Verlangen nach Erkenntnis beobachten, und genau dieses Verlangen lässt sich in der menschlichen Evolution als Neugierde erkennen. Von Kindheit an scheint diese Neigung vorherrschend zu sein, und je stärker ein Kind diese Neigung zeigt, desto vielversprechender ist es, denn das zeigt an, dass die Seele des Kindes umso lebendiger im Vordergrund steht.

Was uns an der Persönlichkeit erwachsener Menschen neben all ihrer Güte und Tugend am meisten beeindruckt, ist diese Brillanz des Verstandes. Wenn dies im Leben eine so wichtige Rolle spielt, muss es zu einem höchst bedeutenden Ergebnis führen. Und was ist diese Errungenschaft? Es ist die Erkenntnis der höchsten Wahrheit, die das Leben mit Sinn erfüllt.

Eine neugierige Seele beginnt damit, alles wissen zu wollen, was sie sieht und womit sie in Berührung kommt. Was sie als Erstes wissen möchte, ist der Name eines Gegenstands, wie er heißt, wozu er dient, was er ist, wofür er verwendet wird, wie man ihn benutzt, wie er hergestellt wird, wie man das Beste aus einer Sache macht und wie man den größtmöglichen Nutzen daraus zieht. Dieses Wissen bezeichnen wir als Lernen. Die verschiedenen Bereiche des Lernens, die unterschiedliche Bezeichnungen tragen, sind die Kategorien dieses Wissens, das wir im Studium der Außenwelt erlangen. Doch das Leben ist so kurz und das Feld dieses Wissens so weitläufig, dass ein Mensch endlos weiterlernen könnte. Er mag sich vielleicht einem Wissenszweig widmen und feststellen, dass selbst ein Leben nicht ausreicht, um diesen einen bestimmten Wissenszweig vollständig zu ergründen.

Und da ist ein anderer Mensch; er gibt sich nicht damit zufrieden, sich nur mit einem Wissensgebiet zu beschäftigen; er möchte sich mit vielen Wissensgebieten befassen. Er mag sich bis zu einem gewissen Grad mit verschiedenen Aspekten des Wissens vertraut machen. Das könnte ihn vielleicht, wenn er etwas erreicht, zu dem machen, was man einen Allrounder nennen könnte. Doch dies wird ihm nicht den Sinn seines Lebens erfüllen.

Farabi, der große arabische Gelehrte der Antike behauptete, er beherrsche viele Bereiche des Wissens; doch als es darum ging, seine Kenntnisse in der Musik unter Beweis zu stellen, zeigte sich, dass ihm das Wesentliche fehlte – und zwar nicht Musiktheorie, sondern die musikalische Praxis, das Lebendigwerden dieser Musik.

Wissen lässt sich in zwei Aspekte unterteilen: Der eine Aspekt ist das Wissen, das wir als Lernen bezeichnen; der andere Aspekt ist das Wissen an sich. Lernen entspringt der Vernunft: ‘Es ist so, weil dies oder jenes’ – das ist Wissen. Es gibt jedoch ein Wissen, das sich nicht mit ‘weil’ erklären lässt; wir können nur sagen, dass es so ist - es kann nichts anderes sein.


Wenn jemand auf mein Herz schlägt, bricht es nicht, sondern es bricht auf,

und die Flamme, die aus ihm hervorkommt, wird zu einer Fackel auf meinem Pfad.

 

Gayan - Chalas


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