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Petama Ratgeber Januar 'Reisen und eine Neue Seite - 2' aus Hazrat Inayat Khan: 'Confessions and Revelations' |
Da kam ihr Pir-o-Murshid oder Meister auf sie zu, noch spärlicher gekleidet als sie, und umgeben von einer Gruppe von Derwischen, die ihn umkreisten, als er näher kam. Zwei von ihnen führten die seltsame Prozession an und riefen bei jedem Schritt laut: ‘Hash bar dum, nazur bar kadum, khilwat dar anjuman!’ – ‘Sei dir deines Atems bewusst und achte auf jeden Schritt, den du machst, und erlebe so die Einsamkeit in der Menge!’ Als der Murshid bei der Versammlung seiner Schüler ankam, begrüßten sich alle gegenseitig mit den Worten: ‘Ishq Allah Ma'bud Lillah!’ – Gott ist Liebe und Gott ist der Geliebte! Genau dieser Gruß offenbarte mir später die Worte der Bibel, dass Gott Liebe ist, und auch den Vers des arabischen Dichters Abulallah, der sagt: Kirche, Tempel oder Kaaba-Stein, Koran oder Bibel oder die Gebeine eines Märtyrers – all das und noch mehr kann mein Herz ertragen, denn meine Religion ist allein Liebe. Die Feierlichkeit der heiligen Worte, die sie sprachen, fand in meiner Seele Widerhall, und daraufhin beobachtete ich ihre Zeremonie mit noch größerer Aufmerksamkeit. Natürlich war ihre bittere Armut auf den ersten Blick verwirrend, aber dann hatte ich, bevor ich sie sah, erfahren, wie der heilige Prophet immer zu Allah gebetet hatte, ihn in seinem Leben unter den Mesquin oder Derwischen zu unterstützen, die freiwillig diese bescheidene Lebensweise gewählt hatten. Die seltsamen Flecken auf ihren Kleidern erinnerten mich an die Worte von Hafiz: ‘Lass dich nicht von kurzen Ärmeln voller Flicken täuschen, denn darunter verbergen sich sehr mächtige Arme.’ Die Derwische saßen zunächst versunken in Kontemplation da und rezitierten nacheinander Formeln, dann begannen sie zu musizieren. Ich vergaß all mein Schweigen und meine Technik, während ich ihren einfachen Melodien lauschte, die sie zur Begleitung von Sitar und Dholok sangen, den unsterblichen Worten der Sufi-Meister wie Rumi, Jami, Hafiz und Shams-i-Tabriz. Die Ekstase, die ihre beschwingte Energie hervorrief, schien mir so stark und lebendig, dass selbst die Blätter der Bäume wie verzaubert und regungslos zu hängen schienen. Obwohl sich ihre Gefühle in unterschiedlicher Form äußerten, wurden sie von dieser seltsamen Gesellschaft mit stiller Ehrfurcht betrachtet. Bei jedem von ihnen wurde eine besondere Form der Ekstase sichtbar; einige drückten sie in Tränen aus, andere in Seufzern, einige in Tänzen und wieder andere in der Ruhe der Meditation. Obwohl ich die Musik nicht so sehr genoss wie sie, beeindruckte sie mich dennoch so tief, dass ich mich wie in Trance versunken in Harmonie und Glück fühlte. .
Alle Dinge müssen zu Beginn vor den zerstörerischen Winden geschützt werden, so wie eine junge Pflanze zunächst im Gewächshaus gepflegt werden muss.
Aphorismen
(Maheboob Khan, Hazrat Inayat Khans Bruder, hat in der Mitte des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Hazrat Inayat Khans Aphorismen in Musik gesetzt, wie das ‘How Shall I Thank Thee’. Mohammed Ali Khan, Hazrat Inayat Khans Cousin, hat ums Jahr 1956 herum dieses Lied in einem Konzert in Zürich gesungen – hier könnt Ihr es hören) |
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