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Petama Thema Mai 'Würde' aus Hazrat Inayat Khan: 'Art of Personality' |
Würde, die wir mit anderen Worten auch Selbstachtung nennen könnten, ist ein Aspekt, der bei der Betrachtung der Kunst der Persönlichkeit nicht außer Acht gelassen werden darf. Wenn wir fragen, was sie ist und wie dieses Prinzip in die Praxis umgesetzt werden kann, lautet die Antwort, dass jede Art von Leichtfertigkeit und jede Neigung zur Oberflächlichkeit aus unserem Wesen ausgerottet werden muss, um jene Würde zu wahren, die uns so kostbar ist. Wer keinen Wert darauf legt, sollte sich keine Gedanken darüber machen; es ist nur für jene gemeint, denen Selbstachtung etwas bedeutet. Ein Mensch mit Selbstachtung wird von anderen respektiert, ganz unabhängig von seiner Macht, seinem Besitz, seiner Stellung oder seinem Rang; in jeder Lebenslage und Situation wird ihm Respekt entgegengebracht. Da stellt sich die Frage: Hat Unbeschwertheit denn überhaupt einen Platz im Leben, oder ist sie im Leben gar nicht notwendig? Alles ist notwendig, doch alles hat seine Zeit. Würde besteht nicht darin, ein langes Gesicht zu machen, und Respekt wird auch nicht durch einen strengen Gesichtsausdruck hervorgerufen; Stirnrunzeln oder Verkrampfen des Körpers schafft keine Ehre; Würde bedeutet nicht, traurig oder niedergeschlagen zu sein. Es bedeutet, unsere Handlungen der richtigen Zeit zuzuordnen. Es gibt Zeiten zum Lachen; es gibt Zeiten für Ernsthaftigkeit. Das Lachen des Menschen, der ständig lacht, verliert seine Kraft; der Mensch, der immer unbeschwert ist, hat in der Gesellschaft nicht das Gewicht, das er mittragen sollte. Außerdem führt Unbeschwertheit oft dazu, dass ein Mensch andere beleidigt, ohne es zu wollen. Wer keinen Respekt vor sich selbst hat, hat auch keinen Respekt vor anderen. Er mag im ersten Moment glauben, er sei frei von Konventionen und könne seine Gefühle und Gedanken ungehindert zum Ausdruck bringen; doch weiß er nicht, dass ihn dies so leicht macht wie ein Stück Papier, das vom Wind hin und her getrieben wird. Das Leben ist ein Meer, und je weiter wir auf dem Meer reisen, desto schwerer muss das Schiff sein, in dem wir reisen. Für einen weisen Menschen ist also ein gewisses Gewicht erforderlich, um zu leben, das seiner Persönlichkeit Ausgewogenheit verleiht. Weisheit verleiht dieses Gewicht; ihr Fehlen ist Kennzeichen von Torheit. Der mit Wasser gefüllte Krug ist schwer; erst das Fehlen von Wasser im Krug macht ihn leicht, wie einen Menschen ohne Weisheit, der unbeschwert ist.. Je mehr wir uns mit der Kunst der Persönlichkeitsbildung beschäftigen und sie verstehen, desto mehr erkennen wir, dass es die Veredelung des Charakters ist, die uns dem Ziel der Schöpfung näherbringt. Alle Tugenden, vornehme Umgangsformen und schöne Eigenschaften sind das Ergebnis eines edlen Charakters. Doch was ist Adel im Charakter? Es ist ein weiter Horizont. Indem wir lernen zu denken, entwickeln wir Würde in unserem Wesen. Je mehr wir denken, desto würdiger werden wir, denn Würde entspringt der Bedachtsamkeit.
Vadan - Chalas |
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