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Petama Thema Februar 'Inneres Reifen mit Hilfe von Musik - 3' aus Hazrat Inayat Khan: 'Mysticism of Sound and Music' |
Dies bedeutet, dass wir mit unserer zugedeckten Schale zum Wasser gehen: Wir wollen Wasser, doch die Schale ist bedeckt, gefüllt mit vorgefassten Meinungen. Woher kommen diese vorgefassten Meinungen? Keine Idee können wir als unsere eigene bezeichnen! Alle Ideen haben wir aus der einen oder anderen Quelle gelernt, doch mit der Zeit glauben wir, dass sie unsere eigenen sind. Für diese Ideen streiten und diskutieren wir, obwohl sie uns nicht einmal vollständig zufriedenstellen. Gleichzeitig sind sie unser Schlachtfeld, und sie werden unseren Schalen die ganze Zeit den Deckel draufhalten Die Menschen des inneren Lebens haben daher einen anderen Pfad eingeschlagen. Sie haben eine andere Art und Weise gelernt, und diese ist Selbstauslöschung oder, mit anderen Worten, das Ent-lernen dessen, was wir gelernt haben. Im Orient sagen wir, dass das Erste, was wir lernen müssen ist, zu verstehen, wie wir Schüler werden. Wir lernen nicht zuerst, was Gott ist oder was das Leben ist. Das Erste, was wir lernen müssen, ist, wie wir Schüler werden. Wir denken vielleicht, dass wir auf diese Weise unsere Individualität verlieren. Doch was ist Individualität? Ist es nicht einfach das, was wir angesammelt haben? Was sind unsere Ideen und Meinungen? Sie sind nur gesammeltes Wissen. Dies sollte wir ent-lernen. Wie können wir ent-lernen? Wir könnten sagen, dass der Charakter des Gemütes so beschaffen ist, dass das, was wir lernen, sich in ihm einprägt, und wie können wir es dann ent-lernen? Ent-lernen ist das Vollständigwerden von Wissen. Einen Menschen zu sehen und zu sagen: ‘Diese Person ist böse’ – das ist Lernen. Weiter zu sehen und etwas Gutes in dieser Person zu erkennen – das ist ent-lernen. Wenn wir das Gute in jemandem sehen, den wir als böse bezeichnet haben, haben wir ent-lernt. Wir haben diesen Knoten entwirrt. Wir sagten einmal: ‘Ich hasse diese Person’ – das ist Lernen. Und dann sagen wir: ‘Oh nein, ich kann ihn auch mögen oder ich kann ihn bemitleiden.’ Wenn wir das sagen, haben wir mit beiden Augen gesehen. Zuerst lernen wir, indem wir mit einem Auge sehen; dann lernen wir, mit beiden Augen zu sehen. Das macht das Sehen vollständig. Alles, was wir in dieser Welt gelernt haben, ist Teilwissen; und wenn dieses durch eine andere Sichtweise entwurzelt wird, dann haben wir Wissen in seiner vollständigen Form. Das nennt wir Inneres Leben. Warum nennen wir es inneres Leben? Weil es nicht in Worte gefasst werden kann. Worte zeigen uns eine Seite davon, doch die andere Seite ist jenseits der Worte. Die gesamte Manifestation ist Dualität, Dualität, die uns intelligent macht, und hinter der Dualität steht Einheit. Wenn wir uns nicht über die Dualität erheben und uns der Einheit zuwenden, erreichen wir nicht die Vollkommenheit, die wir als inneres Leben bezeichnen. Das bedeutet nicht, dass unser Lernen nutzlos ist. Es ist von großem Nutzen. Es gibt uns die Fähigkeit, zu unterscheiden und Unterschiede zu erkennen. Sie schärft unseren Verstand und unseren Blick, sodass wir den Wert der Dinge und ihren Nutzen verstehen. All das ist Teil der menschlichen Evolution und allesamt nützlich. Deshalb müssen wir zuerst lernen und danach ent-lernen. Wenn wir auf der Erde stehen, schauen wir nicht zuerst in den Himmel. Wir schauen zuerst auf die Erde und sehen, was sie uns zu lernen und zu beobachten bietet, doch denkt nur nicht, dass damit der Sinn unseres Lebens erfüllt ist, wenn wir nur auf die Erde schauen. Die Erfüllung des Lebenssinns liegt darin, in den Himmel zu schauen. Das Wunderbare an Musik ist, dass sie uns hilft, uns unabhängig von Gedanken zu konzentrieren oder zu meditieren. Daher scheint Musik die Brücke über die Kluft zwischen Form und Formlosigkeit zu sein. Wenn es etwas Intelligentes, Wirksames und gleichzeitig Formloses gibt, dann ist es Musik. Poesie suggeriert Form, Linien und Farben suggerieren Form, doch Musik suggeriert keine Form. Musik erzeugt auch jene Resonanz, die das gesamte Wesen durchdringt. Sie erhebt den Gedanken über die Dichte der Materie; sie verwandelt die Materie fast in Geist, in ihren ursprünglichen Zustand, durch die Harmonie der Schwingungen, die jedes Atom unseres gesamten Wesens berühren. Schönheit von Linien und Farben reichen nur bis zu einem bestimmten Punkt. Die Freude am Duft kann noch etwas weiter gehen. Musik berührt unser Innerstes und schafft auf diese Weise neues Leben, ein Leben, das den ganzen Menschen beflügelt und ihn zu jener Vollkommenheit erhebt, in der die Erfüllung des menschlichen Lebens liegt. Wellen: Wir sind die Upsaras des Ozeans. Wenn der Wind Musik spielt, tanzen wir; die Schätze der Erde sind nicht unser Ziel; unsere Belohnung ist der eine Blick von Indra.
Gayan - Alankaras |
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